Züchter des Jahres 2010 der Rasse Kaltblut

Ohne die Rösser geht es nicht

Wenn es um das Süddeutsche Kaltblut geht, ist seine Meinung gefragt, denn Jakob Hackl ist mit Leib und Seele Züchter dieser herrlichen Rasse. Nicht nur seine eigenen züchterischen Erfolge, vielmehr auch sein unermüdliches Engagement um die Zucht der sympathischen „Dicken“ hat ihn über Bayerns Grenzen hinaus bekannt gemacht. Auch 2010 war wieder einmal ein erfreuliches Jahr für den Züchterstall Hackl: mit der Staatsprämienstute Hedi und der Siegerstute und Siegerfamilie anlässlich der Verbandsstutenschau in Bad Kötzing kehrten hoch dekorierte Stuten in den heimatlichen Stall zurück. So ist es nicht verwunderlich, dass der Titel Züchter des Jahres in Niederbayern und der Oberpfalz einmal mehr an Jakob Hackl vergeben werden konnte.

Jakob Hackl mit seinen Zuchtstuten

„Ich will Kaltblüter züchten, wie es schon unsere Väter gemacht haben. Verlässliche Pferde mit Kraft und Eleganz und vor allem mit einer unerschütterlichen Umgänglichkeit.“ Jakob Hackl kommt ins Schwärmen, wenn er von seinen Rössern erzählt. Rund zwanzig Pferde stehen auf dem idyllisch gelegenen Anwesen oberhalb Regen im Bayerischen Wald. Bei den 60 Milchkühen, die das Hauptstandbein des ca. 85 ha großen landwirtschaftlichen Betriebes darstellen, sind Geburten an der Tagesordnung, so Hackl. Wenn aber ein Fohlen auf die Welt kommt, dann sei das immer etwas Besonderes. In diesem Jahr haben alle sechs Zuchtstuten schon abgefohlt und so ist einem um die erfolgreiche Nachzucht nicht bange. Die halbwüchsigen Hengste und Stuten stehen schon in den Startlöchern und haben spätestens bei den Stutbucheintragungen oder dann im Herbst bei der Körung ihren ersten öffentlichen Auftritt. Sechs gekörte Hengste und unzählige Staatsprämienstuten stammen aus der Zucht von Jakob Hackl. Begonnen hat alles 1977, als Jakob Hackl mit zwei Stuten die Grundlage seiner Zucht setzte. Vollste Unterstützung hatte er dabei von seiner Frau und auch dem Schwiegervater, denn auf dem Anwesen gab es nachweislich schon vom 17. Jahrhunder an Pferde. Seine Zucht basiert auf zwei Stutenlinien. Eine der Stammstuten ist die jetzt zwanzigjährige Stute Pauline von Schlehdorf, die dieses Jahr ihr 16.Fohlen führt. Unter anderem über ihre Tochter Pia von Rohrbach ist der Stamm weit verzweigt und auf der Verbandsstutenschau in Bad Kötzting 2010 war die Familie der Pauline einmal mehr unschlagbar. Die Schlehdorf-Linie ist etwas energischer, die Dirin-Linie dagegen ist kreuzbrav, weiß Hackl zu berichten. Die Dirin Tochter Heike verendete, als ihr letztes Fohlen sechs Wochen alt war. Gutmütigkeit, Mütterlichkeit und Ruhe sind Eigenschaften, die das süddeutsche Kaltblut auszeichnen und so war es eigentlich fast selbstverständlich, dass eine andere Stute aus der Herde das Fohlen als „Adoptivkind“ annahm und zusammen mit dem eigenen Fohlen aufzog. „Burli“ ist heute der Liebling von Jakob Hackl und tut gute Dienste im Gespann mit den Hengsten.

Salvator von Samurei
Veran von Vampir I

Apropos Hengste: schon bald erkannte Hackl, dass richtig gute Hengste für den einzelnen Züchter oft unerschwinglich waren und man nur mit erstklassigen Vererbern auch die Zucht weiterbringt. 1980 gründete er mit einigen Mitstreitern die Hengsthaltungs- und Kaltblutzüchtervereinigung Regen, die heute 87 Mitglieder und fast 90 % Züchter aufweisen kann. Alle drei bis vier Jahre wird gemeinsam ein junger Hengst gekauft und bei Hackl aufgestellt. Derzeit stehen zwei Hengste zur Verfügung. Einmal der jetzt sechsjährige Vampir I Sohn Veran und zum anderen dessen fünfjähriger Halbbruder Salvator von Samurei aus der Elitestute Paris von Veltino, beide aus der Zucht von Nikolaus Onnich, Bad Kohlgrub. Salvator war überlegener Sieger seiner Hengstleistungsprüfung und erfreut sich bei den Züchtern großer Beliebtheit, aber auch Veran hat viel Zuspruch. Für die Gaststuten gibt es auf dem Hackl Hof extra Boxen und im letzten Jahr waren von 45 gedeckten Stuten 42 tragend.

Bei aller Liebe zu der Kaltblut-Zucht verschweigt Jakob Hackl aber auch nicht einige kritischen Anmerkungen. „Wir brauchen Pferde, die auch wieder stehen bleiben!“ sagt Hackl und will damit ausdrücken, dass man bei aller Beurteilung des Exterieurs und des Trabes das Wesen des Pferdes nicht vergessen sollte. Ein Süddeutsches Kaltblut muss sich vor allem durch Umgänglichkeit, Kraft und Zugwilligkeit auszeichnen. Nervöse und schreckhafte Tiere hätten in der Zucht nichts zu suchen. Auch er selber müsse oft streng selektieren. Wenn ein junges Pferd nicht seinen Ansprüchen genügt, dann müsse man sich schnell davon trennen. Ein weiterer Wermutstropfen ist die immer mehr schwindende Bereitschaft der Kollegen in der Verbandsarbeit mitzumachen, resümiert Hackl, der selbst noch voller Pläne und Tatendrang steckt.

Jetzt steht erst mal die Hauptsaison für die wunderschönen „Dicken“ vor der Türe. Stutbucheintragungen, mit ein bisschen Glück die Einladung zur Staatsprämienschau nach München, die Fohlenschauen und natürlich der traditionelle Pfingstritt in Bad Kötzting, bei dem die Rösser von Jakob Hackl natürlich auch nicht fehlen dürfen. Und vielleicht steht ja schon der nächste Sieger im Stall und ein weiteres Kapitel der erfolgreichen Kaltblutzucht im Bayerischen Wald nimmt seinen Anfang. Züchter wie Jakob Hackl und seine Kollegen des rührigen Vereins werden bestimmt weiter für die nächsten Erfolge sorgen und vor allem, dass das schöne Süddeutsche Kaltblut in seiner Form erhalten bleiben wird. 

 

Andrea Kaufmann

Termine

Di, 29.05.2012 Stutbucheintragungen

mit Vorauswahl zur Landesschau in München-Riem

Fr, 15.06.2012 Anmeldeschluss

für Fohlenauswahl 2. Bayerische Warmblut-Fohlenauktion in München-Riem, Fohlenprämierung Warmblut und für alle Stutbucheintragungstermine im Juli